Leider gibt es auch in Spanien Unwetter. Wenn der Hagel dann das Dach des Wohnmobils schmirgelt und man die Blitze zischen hört, befindet man sich mitten im Zentrum der Naturgewalten. Am nächsten Tag waren die Fahrradwege, die in den Ort führten, alle überschwemmt, teilweise sogar weggespült.

Eine Furt kam mir recht kurz vor. Hinterher weiß man, dass man es vorher schon hätte wissen können: Je kürzer die Furt, desto tiefer das Wasser. Wie gut, dass die E-Motoren am E-Bike ordentlich gegen Feuchtigkeit geschützt sind. Die Schuhe waren es nicht.

Und dann das Problem mit Europa.

In meiner Kinderzeit sind wir oft nach Venlo gefahren. Ich erinnere mich an den ehrfürchtigen Blick meines Vaters, wenn wieder einmal ein Kreisverkehr und ein holländischer Radfahrer gleichzeitig auftauchten. Die Rückfahrt war jedes Mal ein kleines Abenteuer, vor allem dann, wenn die Menge der zollfreien Waren „rein rechnerisch“ etwas großzügig ausgelegt worden war. Meine Erleichterung war groß, wenn mein Vater nicht von den Zöllnern aus dem Verkehr gezogen wurde. Europa war damals ein Ort mit Schranken, Formularen und einem sehr eigenen Humor.

Sechzig Jahre später fahre ich scheinbar grenzenlos durch Europa. Keine Schlagbäume, keine Kontrollen, kein Zoll – Freiheit auf vier Rädern. Könnte man meinen. Denn Grenzen gibt es immer noch, sie haben nur ihre Form geändert. Heute heißen sie Norm, Adapter und „Das geht bei uns leider nicht“.

Warum sollten Deutsche spanische Gasflaschen nutzen dürfen? Die sind viel zu unkompliziert. Also: Gasflasche auf null Prozent, Probleme auf hundert Prozent. Ein Kontinent, eine Währung, 27 Staaten – aber bitte jeder mit eigener Flasche.

Theoretisch ist alles ganz einfach. ChatGPT erklärt es ruhig, logisch und in korrektem Deutsch. Praktisch stehe ich vor einer spanischen Dame, bewaffnet mit Google-Simultanübersetzer, und versuche klarzumachen, dass ich meine Flasche aus Alemannia nicht tauschen möchte, sondern lediglich eine spanische kaufen will. Ein revolutionärer Gedanke.

Das allerdings geht nur mit Contrato, Personalausweis, vermutlich einem Blutstropfen und der Zustimmung des lokalen Gasgottes. Einen Adapter habe ich immer noch nicht. Aldi und Lidl tauchen zuverlässig an jeder Ecke auf, Obi und Konsorten dagegen offenbar nur in einem Paralleluniversum.

Es dauert. Der Google Translator gibt innerlich auf. Ich auch, kurz. Aber am Ende siegt die europäische Hartnäckigkeit: Die Bomba de España ist angeschlossen, das Gas fließt, und wieder einmal zeigt sich – Europa funktioniert. Nur eben nicht sofort, nicht einfach und ganz sicher nicht ohne Humor