Das spanische Bussystem ist ein kleines Abenteuer für sich. Es wirkt, als sei es historisch gewachsen – allerdings ohne dass zwischendurch jemand den Überblick behalten hätte. Fahrkarten bekommt man am Busbahnhof in Marbella. Aufladen kann man sie nur im Bus. Und nur bar. Digitalisierung? Vermutlich auf dem nächsten Jakobsweg.

Dafür gibt es immerhin 40 % Rabatt. Man muss nur wissen wie, wo, wann – und bei welchem Mondstand.

Es existieren ungefähr 73 verschiedene Kartenmodelle. Meine ist natürlich genau die richtige – für die Linie 220 zwischen Marbella und Fuengirola.

In Richtung Marbella war ich schon öfter unterwegs. Nun sollte es nach Fuengirola gehen. Kurz bevor der Bus eintreffen sollte, hielt neben mir ein PKW. Der Fahrer kurbelte das Fenster herunter und eröffnete mir, dass die Busse in Marbella streiken würden. Morgen sei dann Fuengirola dran. Er könne mich retten. Ich stieg ein und dachte mir: der ist aber freundlich.

Er quasselte aber so viel von Streik und er wäre jetzt mein Taxi, ich wurde stutzig. Es war einer dieser Momente, in denen das Wort „spanisch“ plötzlich eine neue Bedeutung bekommt.

Also schnell ChatGPT gefragt. Ergebnis: Kein Streik. Aber Hinweise auf kreative Geschäftsmodelle, bei denen man ahnungslosen Wartenden gegen eine kleine Servicepauschale den Weltuntergang erklärt.

Also nötigte ich meinen ungebetenen Chauffeur, bei nächster Gelegenheit anzuhalten. Das tat er mit der Begeisterung eines Kindes beim Zahnarztbesuch. Als ich aussteigen wollte, meinte er 7,50 EUR kassieren zu können. Ich bedankte mich bei ihm fürs mitnehmen und das er mir dafür noch 7,50 EUR geben wollte, wäre nicht nötig. Die Tür fiel zu. Der Wagen verschwand mit einer Beschleunigung, die nahelegt, dass das Kennzeichen kein Teil des Marketingkonzepts war.

Und da soll noch einer sagen, digitale Freundschaften seien wertlos. Manchmal braucht es eben einen Schlaukumpel im Internet, um nicht Teil einer improvisierten Mitfahrzentrale mit Fantasietarif zu werden.

Dafür habe ich mir dann den Ort La Cala de Mijas angesehen und bin dann ganz entspannt mit dem Bus zurückgefahren.