und eine neue Liebe
Über Weihnachten sind sechs Nächte in Blanes geplant, irgendwo zwischen Barcelona und dem Wunsch nach Ruhe. Der Campingplatz ist voll. Der Großteil der Wohnmobile kommt aus Deutschland und ist auf der Weiterreise in den Süden. Manche Fahrzeuge sind so weihnachtlich geschmückt, dass man das Auto darunter kaum noch erkennt. Anderen sieht man die demonstrative Verweigerung des hohen Festes förmlich an. Auch das ist eine Haltung.



Der Platz liegt direkt am Wasser, was zunächst romantisch klingt, sich aber schnell relativiert. Stellenweise war es extrem stürmisch. Mit etwas mehr Entschlossenheit hätten die Wellen den Campingplatz problemlos fluten können. Entweder ist so ein Wind hier die Ausnahme – oder die Spanier sind beim Hochwasserschutz schlicht entspannter. Im Nachhinein hätte ich mir jedenfalls mehr Gedanken über die Konservierung meiner Fahrradkette machen sollen als über das Meer. Die salzhaltige Gischt hat sie so gründlich zerlegt, dass ich vor der nächsten Tour echte Mühe hatte, sie wieder beweglich zu bekommen. Natur ist eben kein Wellnessangebot.

Dann der Alltag. Und der führt in einen Lebensmittelmarkt namens Mercadona. Ich habe mich verliebt. Anders kann man es nicht sagen. So etwas habe ich noch nie gesehen: Auswahl ohne Ende, zehn laufende Meter Fertigpizza, Fleischtheken von epischer Breite und frischer Fisch in Mengen, die man sonst nur aus Dokumentationen kennt. Und die Preise: Frische Dorade in St. Tropez kostet 38 Euro pro Kilo. Hier 9,25 Euro. Und sie ist frischer als alles, was mir in Frankreich je untergekommen ist.
Was aber wirklich beeindruckt, ist der Platz. Zwischen den Regalen herrschen Zustände wie auf Autobahnen. Kaufland würde dort mühelos noch drei weitere Regalreihen hineinpressen und hätte vermutlich noch Luft nach oben. Kurz gesagt: Ist kein Mercadona in der Nähe, bin ich unzufrieden.
Übrigens: Öffnungszeiten an Silvester bis 21 Uhr. Das würde in Alemannia kein Mitarbeiter mitmachen. Und genau da liegt vielleicht der Kern dieser Reise. Spanien wirkt entspannter, pragmatischer, weniger verkrampft. Nicht perfekt, nicht sorgenfrei – aber lebensnah.
Blanes ist kein Ort der großen Sensationen. Aber einer, an dem man merkt, dass Gelassenheit eine Infrastruktur haben kann. Und manchmal reicht genau das.
