Benidorm, gegründet am 8. Mai 1325, ist ein Ort, an dem man einmal gewesen sein sollte. Ein einziges Mal reicht. Bis etwa 1950 war Benidorm ein kleines Fischerdorf mit rund 3.000 Einwohnern. Heute leben hier etwa 70.000 Menschen. Die Zahl der Betten für Übernachtungsgäste ist im gleichen Zeitraum von praktisch null auf etwa 80.000 bis 100.000 gestiegen – je nachdem, wie man rechnet.

Die Fläche einer Stadt lässt sich bekanntlich nicht beliebig vergrößern. Die logische Konsequenz: Direkt am Strand stehen Wolkenkratzer, sodass man sich stellenweise eher an Manhattan als an die Costa Blanca erinnert. So etwas habe ich bislang nirgendwo gesehen. Benidorm soll weltweit die meisten Hochhäuser pro Einwohner haben.

Nach meinem persönlichen Eindruck bilden in El Campello die Größe des Strandes und die Anzahl der Hotels noch ein gewisses Gleichgewicht. In Benidorm hingegen braucht es keine wissenschaftlichen Erhebungen: In der Hochsaison muss man sich hier – besonders am Strand – wie in einem Ameisenhaufen fühlen. Allein der Gedanke daran lässt mich frösteln. Also: Einmal sollte man dagewesen sein, am besten außerhalb der Saison, und sich selbst ein Urteil bilden.

Trotzdem muss man anerkennen: Das Angebot wird offensichtlich genutzt und trifft offenbar den Nerv vieler Menschen. Dabei sticht eine Nation besonders hervor, die ich hier bewusst nicht nenne, um Vorurteilen keinen zusätzlichen Nährboden zu bieten.

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass die Stadtverwaltung in den 1960er-Jahren durchaus kluge Entscheidungen getroffen hat. Hochhäuser – ja, aber mit Verstand. Keine Verschattung des Strandes, keine gegenseitige Verschattung der Gebäude, ausreichend Abstand, die schmale Seite zum Meer ausgerichtet, gute natürliche Belüftung und im Winter möglichst viel Sonneneinstrahlung.

Während andernorts gigantische Flächen mit flachen Individualbauten versiegelt werden – Lanzarote ist ein gutes Beispiel –, ist hier alles kompakt und vergleichsweise luftig. Viele Menschen benötigen lediglich den Aufzug, überqueren die Straße und erreichen Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Arzt oder Apotheke. Das bedeutet deutlich weniger Verkehr als bei einer ausufernden Flächenbesiedelung. Inzwischen schauen sich andere Touristengebiete Benidorm ganz gezielt an, um daraus zu lernen.

Und schließlich hat man in Benidorm früh und gezielt eine bestimmte Gruppe angesprochen: die Überwinterer. Menschen, die vier bis fünf Monate hier selbst leben und die Kosten durch eine Sommervermietung abfedern. Entsprechend ist die Infrastruktur ganzjährig in Betrieb – ganz anders als in Orten, die nach der Saison faktisch den Rollladen herunterlassen.